Nähmaschine Pfaff 332 Automatic

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Meine gute alte Pfaff Freiarm-Nähmaschine. Gut war sie und gut ist sie, wenn auch nicht die modernste. Kunststück, so wie ich das mittlerweile herausbekommen habe stammt das Modell 332 (und ihr Schwestermodell Pfaff 230 für den Tischeinbau, sprich Flachbett) aus dem Jahr 1949. Meine dürfte einige Jahre jünger sein, ich schätze mal Ende der 1950er Jahre. Die Automatic bringt zu den normalen Nähfunktionen „gerader Stich“ und „Zickzackstich“ einige Ziermusternähte hinzu. Gekauft habe ich sie Ende März 2014 und ich werde versuchen, sie so lange es mir möglich ist in Schuss zu halten.

Ich beschreibe hier nach und nach ein paar Reparaturen, je nachdem, was eben so anfällt. Da ich selber Nähmaschinen-Laie bin und schon gleich garkeine Berechtigung zur Ausbildung auf Nähmaschinenmechaniker oder Elektriker habe, sind meine Berichte nicht als Anleitung zum Nachmachen gedacht! Ich schildere hier lediglich meine Gedanken und Erfahrungen, hier können sich also reichlich Fehler und Fehlinformationen verstecken, darauf weise ich ausdrücklich hin. Ich übernehme keine Verantwortung für Schäden an Mensch und/oder Maschine!

Kondensator am Motor geplatzt

2014-04-09 – Eben nähte die Maschine noch brav, dann gab es einen Knall und die Haussicherung flog raus. Seitdem kann ich nicht mehr den Stecker in die Steckdose stecken, ohne dass die Sicherung abschaltet. Ein Suche im Netz ergab als mögliche Fehlerquelle einen defekten Kondensator. Am Motor sind original zwei Doppelkondensatoren als Entstörkondensatoren (Funkentstörung) verbaut, den gleichen findet man nochmal im Anlasser (Gaspedal, Fußpedal). Ich machte nochmal die Gegenprobe mit abgezogenem Stecker des Pedals, aber die Sicherung flog wieder raus. Also wohl ein Motorkondensator.

Ich baute den Motor aus und tatsächlich ist einer der beiden Kondensatoren aus seinem Gehäuse rausgesprungen. Fehler gefunden. Den Hersteller der Kondensatoren kann ich nicht deuten (ein Logo mit „S“), aber den Typ, der steht nämlich drauf. 😉

Type 1140 B 80000pF „d“ + 2500pF

Die originalen Kondensatoren haben jeweils drei Kabel, schwarz, blau und rot. Laut dem Schaltbild ist der 80000pF (= 80nF = 0,08?F) Kondensator zwischen schwarz und blau geschaltet, der 2,5nF Kondensator zwischen blau und rot.

Diese Kondensatoren gibt es so nicht mehr, man verwendet heute pro Stück einen der Funkentstörkondensatoren (Zweipol-XY-Kondensatoren) folgender Typen:

F&T J 306-C-A (3 Anschlüsse auf beide Enden verteilt, nicht mehr lieferbar)

F&T J 306-C-B (3 Anschüsse an einem Ende, nicht mehr lieferbar)

F&T J 506-C-A (5 Anschlüsse auf beide Enden verteilt, nicht mehr lieferbar)

BK K022201050 (Ersetzt F&T J 506-C-A, 5 Anschlüsse auf beide Enden verteilt)

BK K042201050 (Ersetzt F&T J 306-C-A, 3 Anschlüsse auf beide Enden verteilt)

BK K042201052 (Ersetzt F&T J 306-C-B, 3 Anschlüsse an einem Ende, entspricht außer den Außenmaßen am ehesten dem Original in der Pfaff)

Die aktuelle Angabe der Kapazitäten lautet 0,1?F X1 + 2x 2,5nF Y2 oder 0,1?F X1 + 2x 2500pF Y2. 250 V AC ist als Spannung angegeben. Die originalen 80000pF entsprechen annähernd den 100000pF (= 100nF = 0,1?F) der aktuellen Kondensatoren, es gibt wohl auch keine 0,08?F Kondensatoren mehr. Die 2500pF sind gleich geblieben, nur dass in den aktuellen Entstörkondensatoren scheinbar jeweils 3 Kondensatoren (ein 0,1?F und zwei 2,5nF) zusammengeschaltet sind.

 

Das Schaltbild der aktuellen Entstörkondensatoren sieht völlig anders aus:

Jetzt bin ich kein Elektriker, daher weiß ich nicht so recht, ob mein Schaltbild des neuen Kondensators so richtig auf das Schaltbild des alten adaptiert ist:

Wenn mein Schaltbild stimmt, wird durch den neuen Kondensator nicht nur der blaue, sondern auch der schwarze Anschluss über einen Kondensator geerdet (auf den roten Anschluss gelegt):

Lange Rede kurzer Sinn, ich hab mal 3 der mutmaßlich am besten passenden Kondensatoren bestellt und werde mein Glück versuchen. Sollten sie elektrisch passen, bleibt noch die Frage, ob ich die rund 4mm dickeren Kondensatoren verbaut bekomme. – Na wenn das mal gutgeht…
Damit sich die Versandkosten rechnen, habe ich noch verschiedene Kaltgerätestecker mit bestellt. Die ganzen Stecker der Pfaff-Kabel sind defekt und entsprechen garantiert in diesem Zustand nicht mehr den VDE Richtlinien. Also bekommt das Fußpedal einen Stecker C20 und die Buchse in der Maschine wird durch eine C19 ersetzt. Das sind rechteckige dreipolige Steckverbindungen aus dem Computerbereich. Ebenso bekommt die Maschine zukünftig -vorausgesetzt ich schaffe das Umrüsten- ihren Strom über eine C14 Buchse mit einem entsprechend passenden C13 Stecker, wie sie eigentlich so ziemlich jeder gängige PC nutzt. Ich habe absichtlich verschiedene Steckertypen bestellt, weil ich es sehr befremdlich fand, dass man das Fußbedal auch direkt mit dem Stromanschlusskabel zusammenstecken und in die Steckdose stecken könnte… :-O

Theorie bestätigt

2014-04-25 – Mein herzallerliebster Privatstromer bestätigte meine Meinung über die bestellten Kondensatoren, nämlich dass es die richtigen sind und einfach noch ein 2500pF Kondensator zusätzlich im Kondensator verbaut ist und dieser nicht schaden kann.

Ich will die Tage mal ans Löten gehen, so wie ich eben Muße habe. Dabei halte ich mich ans Farbschema wie folgt:

Alt -> Neu
schwarz -> schwarz (einer der beiden)
blau -> schwarz (der andere 😉 )
rot -> gelb/grün

Motorkondensatoren eingelötet

2014-05-11 – So, die Kondensatoren sind drin, dieser Punkt wäre geschafft. Eigentlich wollte ich gleich beim Wechsel der Kondensatoren auch die Anschlussstecker an der Maschine durch andere ersetzen, aber ich habe derzeit nicht so die ideale Umgebung für sowas. Ein Campingplatz in der Schweiz bietet sich nur bedingt für solche Basteleien an… 😉

4 Kommentare zu “Nähmaschine Pfaff 332 Automatic

  1. Da stellt sich mir die Frage, warum erneuerst Du all diese Kondensatoren?
    Es sind Funkentstörkondensatoren, nur leben wir ja mittlerweile 2016.
    Ich habe alle Kondensatoren in der Maschine und im Fußpedal entfernt, da niemand heutzutage noch Geräte benutzt die diese Maschine großartig stören könnte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ralph

    • Moin Ralph!
      Danke für Deinen Hinweis! Also ich bin ja kein Elektrischer oder so, insofern wusste ich nicht, dass die Kondensatoren mittlerweile unnötiger Ballast sind. Sie waren original drin und ich war halt der Meinung, dass die da drin sein müssten. Aber gut, dann schmeiße ich den Kondensator aus dem Fußpedal auch ganz raus, denn der ist ja noch nicht erneuert… 🙂

  2. Hallo zusammen, die entstörende Wirkung ist auch heute noch nötig, da das Störspektrum bis über den UKW-Bereich hinaus reicht. Ein schwach zu empfangender Sender könnte schon gestört werden. Wichtiger ist jedoch, dass der Kondensator das Bürstenfeuer reduziert und somit die Lebensdauer der Kohlen und des Kommutators erhöht.

    • Moin Kuno! Danke für die Gegendarstellung!!! Der Nachbar meiner Schwester ist Amateurfunker und hätte sich vermutlich nur wenig gefreut, wenn ich ihm seine Weitverbindungen gelegentlich versaut hätte… 😉
      Aber auch die Funkenbildung kenne ich ja eigentlich noch vom Unterbrecherkontakt alter Zündanlagen, dort war auch immer ein Kondensator mit dran. War der defekt, „fraß“ es den Unterbrecherkontakt relativ schnell weg.

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